Künstlerinnen & Kuratorin
Sung Tieu
Sung Tieu, 1987 in Hải Dương, Vietnam, geboren, ist eine in Berlin lebende Künstlerin. Aufgewachsen zwischen politischen Systemen, entfaltet sich Tieus Arbeit an der Schnittstelle von Biografie und Geopolitik. In ihren Arbeiten setzt Tieu sich mit den Nachwirkungen des Kalten Krieges, kolonialen Verflechtungen und den subtilen Mechanismen institutioneller Gewalt auseinander. Sie reflektieren die gesellschaftlichen und psychologischen Folgen von Migration, Bürokratie und staatlicher Kontrolle. Tieu verbindet Skulptur, Zeichnung, Klang, Video, Fotographie, Duft, Text und Archivmaterial zu räumlichen Installationen, in denen sich politische Ordnung und persönliche Erfahrung überlagern.
Momentan sind ihre Werke im Rahmen der 82. Whitney Biennial, Whitney Museum of American Art, zu sehen. Bedeutende Einzelausstellungen fanden unter anderem in der Kunsthalle Bern, im KW Institute for Contemporary Art, Berlin, in der Kunsthalle Nürnberg, der Amant Foundation, New York, dem MIT List Visual Arts Center, Cambridge, dem Kunst Museum Winterthur, dem Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.), dem Mudam – Musée d’Art Moderne Grand-Duc Jean, Luxemburg, der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK), Leipzig, dem Haus der Kunst, München und bei Nottingham Contemporary statt. Sie nahm unter anderem an der Taipei Biennial (2025), der Gwangju Biennale (2024), der Shanghai Biennale (2023), der Bienal de São Paulo (2021) sowie der Kyiv Biennale (2021) teil. Sung Tieu wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Preis für künstlerische Forschung der Schering Stiftung, dem Rubensförderpreis der Stadt Siegen sowie dem Publikumspreis des Preises der Nationalgalerie.
Henrike Naumann
Henrike Naumann wurde 1984 in Zwickau (DDR) geboren. Bis zu ihrem plötzlichen Tod im Februar 2026 lebte und arbeitete sie in Berlin. Ihre Arbeiten reflektieren gesellschaftspolitische Probleme auf der Ebene von Design und Interieur. Mit ihnen erkundet Naumann das Reibungsverhältnis entgegengesetzter politischer Meinungen im Umgang mit Geschmack und persönlicher Alltagsästhetik. Naumanns immersive Installationen arrangieren Möbel und Objekte zu szenografischen Räumen, in die Video- und Soundarbeiten integriert sind. Ihre Praxis reflektiert die Mechanismen der Radikalisierung und deren Zusammenhang mit persönlicher Erfahrung. Begleitet wurde diese Praxis von einer Vielzahl von Vorträgen und interdisziplinären Kooperationen, die die Fragen ihrer Arbeit reflektiert haben. Zuletzt hat Henrike Naumann zum Spannungsverhältnis zwischen Kunst und Krieg recherchiert.
Naumann wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter das Karl Schmidt-Rottluff Stipendium, der Max-Pechstein-Preis der Stadt Zwickau, der Kunstpreis der Leipziger Volkszeitung sowie das Villa Aurora-Stipendium/Thomas Mann House, Los Angeles. Wichtige Ausstellungen ihrer Werke fanden unter anderem im SculptureCenter in New York, im Busch-Reisinger Museum der Harvard Universität, im Museum of Modern Art in Warschau, im Haus der Kunst in München, im Deutschen Bundestag sowie im Rahmen der Ghetto Biennale in Haiti (2015, 2017) und der Kyiv Biennale (2023) in der Ukraine statt. Henrike Naumann war Stipendiatin des Berliner Programms Künstlerische Forschung 2024/25. Zum Wintersemester 2026/2027 hatte sie den Ruf an die Hochschule für bildende Künste Hamburg für die Professur Bildhauerei angenommen.
Kathleen Reinhardt
Kathleen Reinhardt ist Direktorin des Georg Kolbe Museums in Berlin, das Anfang dieses Jahres von der AICA Deutschland zum „Museum des Jahres 2025“ gewählt worden ist. Ihre kuratorische Praxis in deutschen und internationalen Kontexten legt Schwerpunkte auf zeitgenössische Kunst, Kunst in verschiedenen politischen Systemen und post-sozialistische Praktiken sowie das diskursive Potenzial von Sammlungen im Kontext von Ideologie, Erinnerung und Identität. Sie versteht das Museum als Ort der Gemeinschaft, der Forschung und der künstlerischen Produktion und befasst sich mit der Rolle feministischer Perspektiven für die Neugestaltung institutioneller Strukturen.
Am Georg Kolbe Museum verbindet ihr Programm historische Fragestellungen mit zeitgenössischer Praxis, etwa in den Ausstellungen Lin May Saeed. Im Paradies fällt der Schnee langsam. Ein Dialog mit Renée Sintenis (2023), Noa Eshkol. No Time to Dance (2024) und David Hartt. Metabolic Rift (2025). Von 2016 bis 2022 war sie Kuratorin für zeitgenössische Kunst am Albertinum (Staatliche Kunstsammlungen Dresden), wo sie Sammlungsankäufe, Einzel- und Gruppenausstellungen sowie Publikationen verantwortete, darunter Marlene Dumas. Skulls (2017), Slavs and Tatars. Made in Dschermany (2018) und For Ruth, the Sky in Los Angeles. Ruth Wolf-Rehfeldt and David Horvitz (2019 Albertinum, 2022 Wendemuseum of the Cold War, Los Angeles). 2020/21 kuratierte sie die Gruppenausstellung 1 Million Rosen für Angela Davis und initiierte das Forschungs- und Ausstellungsprojekt Revolutionary Romances? Transkulturelle Kunstgeschichten in der DDR (2019-2024).
Reinhardt forscht und promovierte zu afroamerikanischer Kunst und sozial engagierten künstlerischen Praktiken an der Freien Universität Berlin im Fachbereich Global Art Histories. Sie lehrt zu Kunstgeschichten und kuratorischen Studien in Deutschland, sowie international und veröffentlicht in Ausstellungskatalogen, wissenschaftlichen Sammelbänden sowie Fachzeitschriften, darunter unter anderem African Arts, Art Margins, Contemporary And und Kaleidoscope.